Aller Anfang ist schwer

Erfahrungsinterview mit vietnamesischer Gesundheits- und Krankenpflegerin

Juni 2020

Seit fast einem Jahr ist Ngọc Thúy Vũ in Deutschland. Als examinierte Pflegerin aus Vietnam hatte sie sich für das Programm von Capitalent Medical beworben und wurde als qualifizierte und hochmotivierte Bewerberin aufgenommen. Als Kandidatin nahm sie über ein halbes Jahr an einem Deutschintensivkurs in Hanoi teil und kam anschließend nach Kiel. Im Interview spricht sie über ihre Ausbildung, die Vorbereitung auf das Leben in Deutschland und das Arbeiten am Krankenhaus zu Coronazeiten:

 

Was liebst Du an Deinem Beruf?

Ngọc Thúy Vũ: Krankenpfleger ist ein wichtiger Beruf in der Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, sondern auch in meinem Heimatland Vietnam und besonders in der Corona-Krise. Obwohl die Arbeit für eine kleine Frau wie mich hart ist, bin ich immer glücklich, wenn Patienten geheilt werden.

Wann, wo und wie lange hast Du die Ausbildung gemacht?

Ngọc Thúy Vũ: Tatsächlich habe ich vor mehr als zwei Jahren an einer medizinischen Universität in Vietnam mein Studium absolviert. In Vietnam kann man eine Ausbildung oder ein Studium als Krankenpfleger machen. Eine Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre und ein Studium dauert vier bis fünf Jahre.

Wann und wo hast Du Deutsch gelernt und wie war es für Dich diese Sprache zu lernen?

Ngọc Thúy Vũ: Ich habe circa zehn Monaten Deutsch gelernt. Deutsch ist eine der schwierigsten Sprache und es ist nicht einfach in dieser kurzen Zeit eine Sprache zu beherrschen. In dieser Zeit stand ich immer unter Stress, weil ich fast jeden Monat eine Prüfung an der Sprachschule machen musste. Aber das hat mich motiviert, jeden Tag fleißig zu lernen. Außerdem habe ich auch immer Freude beim Lernen gefunden.

Wie ging es Dir kurz vor dem Abschied aus Vietnam und wie war die Einreise nach Deutschland?

Ngọc Thúy Vũ: Nach zehn Monaten habe ich endlich den Pass nach Deutschland bekommen. Die Vorfreude auf den Flug nach Deutschland zeigte sich bei mir durch Begeisterung und eine hohe Motivation viel über das Leben eines Krankenpflegers, die Kultur und das Essen in Deutschland zu lesen.

Den Tag des Abschieds, werde ich nie vergessen, das war 15.07.2019. An dem Tag habe ich eine kleine Abschiedsparty gefeiert und viele Geschenke und Glückwünsche von meiner Familie und meinen Freunden bekommen.

Nach einem langen Flug war ich bisschen müde aber das Gefühl ist dann sofort verschwunden, weil ich viele Hilfe von den Projektmanagern von Capitalent Medical bekommen habe. Die hat mir viel geholfen, nicht nur beim Lernen, Vorbereitung für die Reise, sondern auch beim Einreisen. Jetzt bekomme ich immer noch Hilfe von ihnen, wenn ich Schwierigkeiten habe. Nach der Einreise habe ich sofort eine kleine Wohnung bekommen, die für mich vorbereitet wurde. Die finde ich sehr schön, deswegen lebe ich noch dort.

Was ist seit Deiner Ankunft passiert?

Ngọc Thúy Vũ: Am Anfang hatte ich viele Schwierigkeiten bei der Arbeit wegen der Sprache und der Kulturunterschiede. Alles war neu für mich, aber Tag um Tag habe ich viele gelernt und jetzt bin ich zufrieden mit der Arbeit und meinem Leben hier.

Und dann kam Corona – Wie geht Ihr damit am Krankenhaus um?

Ngọc Thúy Vũ: Hier Schleswig-Holstein gibt es nicht viel Fälle mit Corona. Wie ich weiß, gibt es bei uns auch nicht viele Patienten mit Corona. Wir, die Pflegekräfte, arbeiten wie vor der Corona-Krise, nur unter noch strengeren Hygienemaßnahmen und mit Mundschutz.

Was unterscheidet Vietnam und Deutschland im Umgang mit dem Virus?

Ngọc Thúy Vũ: Vietnam und Deutschland ergreifen fast gleiche Maßnahmen im Umgang mit dem Virus. Der einzige Unterschied ist, dass die Maßnahmen in Vietnam noch extremer sind und die Regierung früher mit den Maßnahmen angefangen hat. Das Gesundheitswesen in Deutschland scheint besser als in Vietnam – es gibt mehr Beatmungsgeräte und somit eine gute Vorbereitung auf steigende Fälle mit Corona.

Was sollten die Menschen über Deinen Beruf wissen?

Ngọc Thúy Vũ: Ich weiß gar nicht genau, was die Deutschen schon über mein Beruf wissen und wie sie denken. In Vietnam ist der Beruf Krankenpfleger manchmal noch unterschätzt. Krankenpfleger oder Altenpfleger ist ein harter Beruf und nicht alle können als Krankenpfleger arbeiten. Ich hoffe, dass die Leute, die Krankenpfleger oder Altenpfleger sind, mehr wertgeschätzt und respektiert werden.

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ngọc Thúy Vũ: Dass ich bald offiziell als Krankenpflegerin hier in Deutschland anerkannt werde. Außerdem wünsche ich mir vor allem eine Sache, dass die Corona-Krise bald endet.