Meine Berufswahl hat mir Türen geöffnet

Erfahrungsinterview – zu Coronazeiten – mit kolumbianischem Gesundheits- und Krankenpfleger

August 2020

Marcos ist examinierter Pfleger aus Kolumbien. Seit April 2019 lebt er in Freiburg und arbeitet als anerkannter Gesundheits- und Krankenpfleger an einem renommierten Klinikum. Über seinen YouTube-Account (hier ansehen) teilt er seine Begeisterung für sein neues Zuhause, Infos über seinen Weg nach Deutschland sowie Eindrücke und Erfahrungen, die er im Krankenhausalltag sammelt. Im Interview verriet er, was die Pflege für ihn bedeutet, wie und warum er den Schritt ins Ausland wagte und wie er die Arbeit am Klinikum zu Zeiten von Corona wahrnimmt:

 

Was liebst Du an Deinem Beruf?

Ich liebe meinen Beruf, weil ich anderen Menschen helfen kann, die sich in einer schwierigen Lage befinden. Gleichzeitig habe ich die Chance mich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln. Mein Beruf hat mir auch die Möglichkeit gegeben, wunderbare Dinge in meinem Leben zu tun und großartige Erfahrungen, wie diese hier in Deutschland, zu machen.

 

Wann, wo und wie lange hast Du die Ausbildung gemacht?

Ich habe meinen Beruf an der Pamplona Universität in Kolumbien studiert und mit meinem Examen 2011 erfolgreich abgeschlossen. Das Studium in Kolumbien dauert zehn Semester. Meinem Empfinden nach, ist es eine sehr gute und anerkannte Ausbildung, mit der ich sehr zufrieden bin.

Wann und wo hast Du Deutsch gelernt und wie war es für Dich diese Sprache zu lernen?

Ich habe im Mai 2018 in Kolumbien mit dem Deutsch-Intensivkurs begonnen und erreichte innerhalb von vier Monaten B1-Niveau. Es war eine wunderbare Erfahrung einer so anderen Sprache zu begegnen. Am Anfang war es schwierig, weil ich mit der Sprache ganz von vorne anfing. Manchmal dachte ich, ich würde sie niemals lernen können, aber ich hatte Lehrer, die sehr daran interessiert waren, die Sprache zu unterrichten, und die eine sehr gute Lehrmethodik hatten, wofür ich sehr dankbar bin. Ich glaube auch, dass die Motivation zum Erlernen einer Sprache sehr wichtig ist. Man lernt jeden Tag etwas Neues und ich lerne auch jetzt noch weiter selbständig Deutsch.

 

Wie bist Du nach Deutschland gekommen?

Ich wurde für das Capitalent Medical – Programm für Krankenpfleger ausgewählt und konnte so nach Deutschland reisen. Das Team half mir bei der gesamten Dokumentation und Vorbereitung der Anerkennung meiner Ausbildung. Nachdem ich mit ihnen auch Niveau B1 Deutsch erreicht hatte, setzte ich den zweiten Teil bis Niveau B2 in Frankfurt fort, bevor ich anschließend beginnen konnte am Krankenhaus zu arbeiten.

 

Wer hat Dich in dieser intensiven Zeit unterstützt?

Hilfe erhielt ich von Capitalent Medical. Sie kümmerten sich unter anderem um das Thema Anerkennung meines Titels und ich erhielt wirtschaftliche Unterstützung während der Dauer des Deutschkurses. Dass sich die Firma ebenfalls um die Bezahlung des Kurses, der sehr intensiv war, kümmerte, bedeutete für mich, dass ich mich zu 100 % dem Erlernen der Sprache widmen konnte. Meine persönlichen Ersparnisse haben mir zusätzlich geholfen Vorbereitungen zu treffen und meinen Lebensstandard zu halten.

 

Wie bist Du auf das Programm von Capitalent Medical aufmerksam geworden?

Ich suchte im Internet nach Optionen und Informationen über mögliche Arbeitsmöglichkeiten im Ausland und wurde dort auf das Unternehmen aufmerksam. Ich schickte meinen Lebenslauf und wurde bald zu den Interviews eingeladen.

 

Wann und wie war der Tag der Ausreise aus Kolumbien? Wie hast Du Dich gefühlt?

Ich reiste am 18. November 2018 nach Deutschland und kann mich noch gut erinnern, dass ich sehr gespannt war. Gleichzeitig war ich ein wenig nervös, denn die neue Erfahrung stand kurz bevor und ich hatte einige Vorstellungen und Träume. Ich war hochmotiviert und super glücklich, die erste Phase dieses persönlichen Projekts abgeschlossen zu haben. Ich fühlte mich ein wenig unsicher, weil ich nicht ganz wusste, was mich in Deutschland erwartete, aber ich war auch bereit, mein Bestes zu tun, um diese Kultur kennenzulernen und mich zu integrieren.

 

Wie war die Einreise nach Deutschland?

Glücklicherweise verlief die Reise sehr gut, wir wurden am Flughafen von Capitalent Medical empfangen und fuhren dann direkt an den Ort, an dem wir für die nächsten drei Monate leben würden. Das Team half uns bei der Dokumentation und den rechtlichen Verfahren, anfangs war es etwas seltsam, uns plötzlich an einem so anderen Ort weit weg von zu Hause wiederzufinden. Die neuen Eindrücke waren dennoch großartig und es gab so viel zu entdecken. Der Winter stand vor der Tür und alles war ein wenig kalt und dunkel, aber schon bald war mit der Ankunft von Weihnachten alles erleuchtet, und ich hatte auch die Gelegenheit, wunderbare Menschen zu treffen, die mich in diesen ersten Tagen in Deutschland begleiteten.

 

Wie war Deine Ankunft in Deutschland, wann war das und wo lebst Du jetzt?

Die ersten drei Monate lebte ich mit den anderen Kollegen meiner Gruppe in Frankfurt, und nach der B2-Deutschprüfung reiste ich mit zwei weiteren Kollegen in die Stadt Freiburg. Es war ein bisschen traurig, die Kollegen zu verlassen, mit denen ich fast sieben Monate – meine erste Zeit in Deutschland – geteilt hatte, aber es war auch der Beginn meiner neuen Arbeit in dem Krankenhaus, in dem ich derzeit tätig bin.

 

Wie geht es Dir seit Deiner Ankunft?

Ich denke, es war ein sehr bereichernder Prozess. Nicht alles war einfach, aber jede Erfahrung hat mir geholfen, mich in die Kultur und diese neue Art zu arbeiten zu integrieren. Ich denke, dass das Wichtigste, aber auch das Schwierigste, in diesem ganzen Prozess das Erlernen der Sprache war. Im Moment kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden mit der Arbeit am Krankenhaus bin, in dem ich auch alle notwendige Unterstützung von Seiten des, für die ausländischen Arbeitnehmer zuständigen, Personals erhalten habe. Jeden Tag lernt man neue Dinge und jeder Tag ist eine Herausforderung des neuen Lernens. Ich freue mich auch sehr, dass ich die Gelegenheit habe, viele Orte und Menschen verschiedener Nationalitäten kennen zu lernen.

 

Wie ist die Situation am Krankenhaus aktuell?

Ich denke, dass die gegenwärtige Situation im Krankenhaus recht positiv ist, dank stetiger Fortbildungen und gut strukturierter Protokolle. Wir haben auch alles, was man zum persönlichen Schutz benötigt und erhalten die notwendige Unterstützung, um mit dieser Situation umzugehen.

 

Was unterscheidet Kolumbien und Deutschland im Umgang mit dem Virus?

Ich denke, dass wir hier viel mehr Ressourcen haben, um einer Pandemie wie dieser zu begegnen. Außerdem ist es wichtig zu betonen, dass das Gesundheitspersonal immer die größte Unterstützung nicht nur vom Krankenhaus, sondern auch von der gesamten Bevölkerung hat. Wir erhalten ständig Geschenke von der Gemeinschaft und werden wertgeschätzt für die Arbeit, die wir jeden Tag leisten, indem wir direkt Menschen behandeln müssen, die mit dem Virus infiziert sind – das bestärkt.

 

Steht Du im Austausch mit Pflegekollegen in Kolumbien? Wenn ja, welches Wissen gibst Du weiter?

Ich habe viele Freunde in Kolumbien, die ebenfalls aus dem Gesundheitsbereich kommen und daran interessiert sind zu erfahren, wie das Arbeitssystem für uns hier in Deutschland ist. Sie wollen alles erfahren, über das Leben, die Arbeitsbedingungen und die Kultur etc. Deshalb habe ich einen Kanal auf YouTube eröffnet und begonnen einige Videos mit Informationen aufzunehmen, die für andere Menschen nützlich sein könnten, die wie ich nach Lebensalternativen und Arbeitsmöglichkeiten im Ausland suchen.

 

Was sollten die Menschen über Deinen Beruf wissen?

Ich denke, dass die Pflege ein Beruf ist, der viel zu bieten hat und der es den Menschen ermöglicht, sich sowohl persönlich als auch beruflich voll zu entfalten. Ich bin sehr dankbar, dass ich mich für diesen Beruf entschieden habe, denn er hat mir viel Zufriedenheit verschafft.

 

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ich habe noch viele Ziele und Projekte vor mir, ich hoffe, eine Spezialisierung und einen Master-Abschluss zu machen, aber ich möchte auch an Projekten arbeiten, mit denen ich andere Menschen bei der Erreichung ihrer Ziele helfen kann. Ich denke, die Zukunft hält noch viele positive Begegnungen bereit.

 

Wir wünschen all unseren Talenten Erfolg und Zufriedenheit!

 

Über Capitalent Medical: Das Unternehmen wurde 2012 von dem Mediziner Dr. Tilman Frank in Frankfurt gegründet. Aus rund zehn Ländern, u.a. in Lateinamerika, im südlichen Afrika, in Süd-Ost-Asien und Europa, können sich Absolventen renommierter Pflege-Universitäten für das Talent-Programm bewerben. Das Team ermöglicht den ausgewählten Kandidaten einen kostenfreien Deutschintensivkurs, unterstützt durch ein monatliches Stipendium, an einer von 16 Sprachschulen weltweit oder der eigenen Sprachschule sprachtalent® in Frankfurt sowie anschließend den passenden Job an einem deutschen Krankenhaus zu finden.